11 Tipps für einen lesenswerten Schreibstil

 11 Tipps für einen lesenswerten Schreibstil
1. Juni 2017

Ob Info-Flyer, Pressemitteilungen oder Förderanträge – oft können Vereine und Organisationen nicht persönlich mit den Menschen kommunizieren, die sie begeistern, überzeugen und zum Handeln anregen wollen. Gut geschriebene Texte übernehmen stattdessen diese Aufgabe. Doch was macht einen Text gut? Warum erreicht manch Geschriebenes mehr als anderes? Und was können Sie genau tun, damit Sie mit Ihren Texten genau das bewirken, was Sie beabsichtigen? Wir geben zehn nützliche Tipps fürs Schreiben lesefreundlicher Texte.

Zunächst die schlechte Nachricht: Die Leser von heute sind anspruchsvoll. Lesen kostet Zeit, Energie und geschriebene Texte gibt es wie Sand am Meer. Die gute Nachricht: Leser sind von Natur aus neugierig. Also bieten Sie ihnen überzeugende Gründe, warum sie weiterlesen sollten. Einerseits natürlich interessante Inhalte. Andererseits einen verständlichen, prägnanten Schreibstil, der Lust zum Weiterlesen macht.

Schreiben Sie lesefreundlich

Das Lesen ist eine Reise, auf die Sie die Leser mitnehmen. Machen Sie sie ihnen so angenehm wie möglich – und beseitigen sie alle möglichen Lesehemmnisse.

Tipp #1: Wählen Sie Wörter mit Bedacht. Fremd- und Fachwörter erschweren meist das Verständnis und grenzen manche Leser aus. Verwenden Sie – wenn möglich – deutsche Entsprechungen oder zumindest gebräuchliche Fremdwörter. Vermeiden Sie zudem Wortmonster mit vielen Silben und aufgeblasene Substantive. Eine „Fahrgastbeförderungserlaubnis“ ist eben auch nur eine „Erlaubnis zur Beförderung von Fahrgästen“. Und eine „Inangriffnahme“ ein einfacher „Beginn“. Besser noch ist es auch, abstrakte Substantive durch Verben zu verwenden. Lassen Sie niemanden „eine Leistung erbringen“, wenn er einfach etwas „leisten“ soll.

Tipp #2: Verwenden Sie kurze Sätze. Ohne Leseerfahrung kann Ihr Leser nur rund 150 Zeichen im Kurzzeitgedächtnis speichern. Danach muss er seinen Lesefluss unterbrechen und zurückschauen. Ein lesefreundlicher Satz sollte im Idealfall nicht mehr als 25 Wörter umfassen. Lassen Sie einem Hauptsatz am besten nur einen Nebensatz folgen, denn Schachtelsätze sind absolutes Gift für ein angenehmes Lesen.

Tipp #3: Schreiben Sie aktiv statt passiv. Passivsätze sind in Politik und Medien sehr beliebt. Der Grund: Sie verschleiern die handelnde Person. „Werden die Steuern erhöht“, ist es natürlich praktisch, wenn sich der Verantwortliche nicht rechtfertigen muss. Aktivsätze zeigen dagegen klar, wer handelt, und sorgen für ein schnelles Verständnis. Ein praktischer Zusatznutzen: Sie zeigen Ihren Lesern, dass Sie die Dinge anpacken und aktivieren so auch Ihre Leser. Entscheider von Förderanträgen und potentielle Mitstreiter mögen das gleichermaßen.

Schreiben Sie logisch und strukturiert

Sie möchten Ihren Lesern etwas „mitteilen“, den Inhalt also „mit ihnen teilen“. Sie sollen Ihr Anliegen und ihre Argumente verstehen. Voraussetzung dafür ist, dass Ihre Worte und Sätze folgerichtig in einander übergehen.

Tipp #4: Gliedern Sie Ihren Text. Entwickeln Sie eine klare Abfolge Ihrer Gedanken. Eine Grundregel ist dabei: In jedem Absatz wird nur ein Gedanke behandelt. Zwischenüberschriften erleichtern zudem ein schnelles Überfliegen – und ermöglichen, dass der Leser sich schnell orientieren kann. Ein Fazit am Ende fasst den Inhalt mit wenigen Worten noch einmal zusammen.

Tipp #5: Vermeiden Sie Gedankensprünge. Als Autor Ihrer Texte haben Sie ein großes Wissen über das Thema, die Hintergründe, Zusammenhänge und Bedeutungen von Begriffen. Ihre Leser oft jedoch nicht. Schnell kann es da passieren, dass Sie sich auf etwas beziehen, dass Sie noch gar nicht erwähnt haben – oder erst später erwähnen. Darüber hinaus können sich Aussagen schnell wiedersprechen, weil ein gedanklicher Zwischenschritt fehlt.

Tipp #6: Machen Sie den „Laientest“. Geben Sie Ihren Text einer Person, die denselben Wissensstand wie Ihre Leser hat. Und bitten Sie um einen kritischen Blick. Meist können Sie so schnell alle Gedankensprünge und Ungereimtheiten ausmerzen.

Schreiben Sie angemessen und präzise

Vor allem bei Sachtexten möchten die Leser schnell die Informationen finden, die sie sich erhoffen. Daher ist es wichtig, alles Unnötige aus dem Text zu verbannen. Sei es inhaltlich oder sprachlich.

Tipp #7: Steigen Sie direkt ins Thema ein. Lange Einleitungen langweilen und Leser geben solchen Texten keine Chance. Nach dem zweiten uninteressanten Absatz suchen sie etwas Interessanteres. Viele journalistische Texte nutzen den ersten Absatz als sogenannten „Teaser“. Darin wird ein Ausblick auf den Inhalt des folgenden Textes gegeben, ohne bereits allzu viel zu verraten. Deuten Sie an und machen Sie den Leser neugierig. Im Idealfall ist der „nächste Satz“ immer der interessantere.

Tipp #8: Wählen Sie die richtigen Worte. Das mag auf den ersten Blick profan erscheinen. Ist es aber nicht. Der Leser möchte sofort verstehen – und nicht lange überlegen, was genau gemeint ist. Vermeiden Sie zum Beispiel Allerweltswörter, wie Ding, Aspekt oder Element. Seien Sie vorsichtig mit Superlativen. Sie lassen Texte schnell werblich und somit unglaubwürdig klingen. Zudem verleiten Sie leicht zu Sprachdummheiten: Der „aktuellste Bericht“ beispielsweise muss nämlich gar nicht aktueller als aktuell sein.

Tipp #9: Nutzen Sie die Sprache der Leser. Sympathie entsteht durch Gemeinsamkeiten. Wer die Sprache seiner Leser spricht, hat diese schnell auf seiner Seite. Sogenannte „Buzzwords“ sind dabei sehr hilfreich. Gemeint sind solche Begriffe und Formulierungen, die Ihre Leser besonders gern verwenden. Doch Vorsicht: Vermeiden Sie umgangssprachliche Begriffe. Verwenden Sie stattdessen bildhafte Worte und Vergleiche. So wirkt ein Text gleich viel geschmeidiger.

Schreiben Sie anregend

Einfachheit ist für einen guten Text wichtig. Doch darf er nicht monoton werden. Bereits der geschickte Wechsel von kurzen und längeren Sätzen kann das verhindern. Am besten gelingt es, wenn Sie den Lesern zusätzlich etwas gedankliche Eigenleistung abverlangen.

Tipp #10: Schaffen Sie einen konzeptionellen Konflikt. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Verwenden Sie sprachliche Vergleiche und Metaphern. So kann sich der Leser – auch sprachlich – ein „Bild machen“. Stellen Sie offene Fragen an den Leser, um ihn zu zwingen, diese für sich zu beantworten. Oder erwähnen Sie alternative Meinungen, damit er sich seine eigene bilden kann.

Tipp #11: Verwenden Sie einen breiten Wortschatz. Wortwiederholungen führen schnell zu Monotonie. Das gilt für gleiche Begriffe genauso wie für verwandte Worte, wie realisiert, realisierbar und Realität. Aber auch phonetische Ähnlichkeiten können dies erreichen. Zum Beispiel, wenn Rat, Tat und Zitat unmittelbar aufeinanderfolgen.

Fazit

Für ehrenamtliche Vereine und Organisationen bieten Texte verschiedener Arten eine gute Möglichkeit, um Mitstreiter, Spender und die Öffentlichkeit zu erreichen. Neben den Inhalten entscheidet vor allem der Schreibstil, ob ein Text gelesen wird oder nicht. Denn nur ein lesefreundlicher, logisch strukturierter, angemessen formulierter und anregend geschriebener Text begeistert und überzeugt.

 

Quellen: Hajnal/item: Schreiben und redigieren – auf den Punkt gebracht, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2000. Daniel Pichert: Erfolgreich Fördermittel einwerben. Bonn 2015.