Sibylle Runge, Wismar

2021
Organisation: 
Verein zur Förderung der Friedhofskultur in Wismar
Engagement: 
engagiert sich für ... den städtischen Friedhof und macht ihnzur lebendigen Kultur- und Begegnungsstätte
„Der Verein war und ist ein großes Geschenk für mich. Mich begeistert der große Zusammenhalt und die Euphorie, mit der wir uns zusammen gefunden haben und Dinge angehen."

Flüchten Sie sich auch manchmal mit einem Friedhofsspaziergang aus dem Alltagslärm? Schon lange sind Friedhöfe nicht mehr nur ein stiller Ort, an dem wir jenen, die von uns gegangen sind, gedenken – ein Ort der Trauer, des Erinnerns und des sich Verabschiedens. Unlängst haben sie sich zu einem Ort entwickelt, der mit jedem neuen Frühling, wenn die Bäume, Hecken und Blumen aus ihrem Winterschlaf erwachen, das Leben begrüßt und der mit seinem Kulturerbe aus Denkmälern, Kapellen und anderen Gebäuden bei Führungen und Spaziergängen Erlebbares schafft. Friedhöfe sind heute Ruhe- und Begegnungsstätte gleichermaßen.

Begegnung zu finden, in den Austausch mit noch unbekannten Menschen zu treten und dabei auch mit jenen in Verbindung zu bleiben, die nicht mehr am Leben teilhaben können, war für Sibylle Runge die Motivation, sich im Verein zur Förderung der Friedhofskultur in Wismar e.V. zu engagieren. „Es war gerade mal ein halbes Jahr her, dass mein Mann verstorben war. Da las ich in der Zeitung von der Gründerversammlung eines neuen Vereins, der noch Mitstreiter suchte – der Verein zur Förderung der Friedhofskultur in Wismar e.V. Aus Neugier und auch durch meinen Mann motiviert, dem Gräberpflege immer enorm wichtig war, nahm ich an der Versammlung teil und ging letztlich als Vorstandsmitglied, im Amt der Schatzmeisterin wieder raus“, berichtet Sibylle Runge rückblickend. Ihre Erfahrung aus über 30 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit in anderen Vereinen, wie etwa der Wismarer Verkehrswacht sowie ihre Kenntnisse in der Buchhaltung, kann sie fruchtbar einbringen.

Als Schatzmeisterin des Vereins, hat Sibylle Runge nicht nur auf finanzielle Angelegenheiten die Hand, sondern packt in allen Belangen mit an. Sie widmet sich Förderanträgen und stellt Vereinskontakte her, ist wichtiger Netzwerker im Verein und immer mit persönlichem Einsatz dabei. „Man kann sich zu 100 Prozent auf Frau Runge verlassen - sie ist bei jedem Arbeitseinsatz dabei. Sie verpasst keine unserer Führungen, organisiert immer die Räumlichkeiten für unsere Mitgliederversammlung und lässt sich für diese auch immer etwas einfallen, damit sich alle wohl fühlen“, berichtet Anja Kretschmer, Vorstandsvorsitzende des Vereins. „Aus ihrer anfänglichen Motivation, ist eine wahre Leidenschaft geworden, die in unserer Vereinsarbeit deutlich zu spüren ist. Sie ist eine treibende Kraft, ist in ganz Wismar sehr gut vernetzt, was unserem Verein unheimlich zugute kommt.“

Der Verein, der sich im April 2014 gründete und aktuell um 30 Mitglieder zählt, hat sich nicht nur dem Erhalt von schützenswerten Gräbern mit abgelaufener Ruhefrist und der Pflege der Anlage verschrieben. Vielmehr hat er es sich zur Aufgabe gemacht, den städtischen Friedhof, der mit seiner Lage auf dem ehemaligen Galgenberg, den höchsten Punkt von Wismar einnimmt, in seiner geschichtlichen, kulturellen und künstlerischen Besonderheit zu erhalten. Die Sanierung und Nutzung des ehemaligen Leichenwärterhauses stellt dabei das größte Anliegen des Wismarer Friedhofsvereins dar. Das Gebäude entstammt dem Jahr 1832 und ist das letzte seiner Art in ganz MecklenburgVorpommern.

Seit 1986 steht der Friedhof als Gartendenkmal unter Schutz und bietet mit seinen vielen seltenen Baumarten nicht nur einen einzigartigen Kultur-, sondern auch Naturraum. Mit regelmäßigen Veranstaltungen wie etwa Lesungen, Musik oder Events wie dem jährlichen Sommerfest möchte der Verein diesen Mehrwert noch stärker ins Bewusstsein der Stadt und des Tourismus rücken und den Friedhof zum festen Bestandteil des kulturellen Lebens in der Hansestadt etablieren.

„Der Verein war und ist ein großes Geschenk für mich. Mich begeistert der große Zusammenhalt und die Euphorie, mit der wir uns zusammen gefunden haben und Dinge angehen. Es tut mir einfach nur gut, wenn wir bei Arbeitseinsätzen so richtig schuften und etwas entstehen lassen - gemeinsam. Durch die Mitarbeit im Verein fand ich nicht nur einen Weg, meine Trauer zu verarbeiten, sondern fand auch neue Freundschaften und einen neuen Blickwinkel. Früher habe ich die Grabpflege als Pflicht betrachtet, heute bin ich mit viel Liebe dabei. Ich erlebe den Friedhof nicht mehr als einen schweren Ort. Hier kann und darf es auch mal Musik geben. Lesungen und Führungen – Leben.“

Portraitfotos Sibylle Runge

Botschafterfilm von Sibylle Runge