Christel Lau, Neustrelitz

2021
Organisation: 
Verein zum Erhalt der Domjüch – ehemalige Landesirrenanstalt e.V.
Engagement: 
engagiert sich für ... die Geschichte eines besonderen Ortes
„Doch wer in der Gegenwart die Vergangenheit für die Zukunft retten will, der muss auch Brücken schlagen“

Denkmalpflege – Erinnerungskultur – Kulturstätte – Plattform für Förderung von Demokratie. Die ehemalige „Mecklenburg-Strelitzsche Landesirrenanstalt Domjüch, die sich eindrucksvoll, fast mystisch vor den Toren von Neustrelitz präsentiert, hat sich von einem „lost place“ zu einer offenen und lebendigen Begegnungsstätte etabliert. Zu verdanken ist dies Christel Lau und ihrem Verein zum Erhalt der Domjüch – ehemalige Landesirrenanstalt e.V.

Es war Ende der 90er Jahre, als die Ingeneurin die Anlage beim Schlittschuhlaufen auf dem Domjüchsee „für sich entdeckte“ und damit einen Ort fand, dessen Geschichte sie Jahre später, gemeinsam mit anderen Menschen erzählen wird. „Ich habe gespürt, dass dieser Ort einmal voller Leben gewesen sein muss. Dieser Eindruck hat mich nicht mehr losgelassen“, beschreibt Christel Lau ihre erste Begegnung mit der Domjüch. Zu diesem Zeitpunkt ist das denkmalgeschützte Gelände bereits privatisiert. Mit dessen Erwerb im Jahr 2009, nehmen Christel Lau und ihr Mann es in ihre Obhut und gründen im Oktober 2010 einen Verein, der sich mit Hingabe dem Erhalt der Domjüch widmet.

Es war Ende der 90er Jahre, als die Ingeneurin die Anlage beim Schlittschuhlaufen auf dem Domjüchsee „für sich entdeckte“ und damit einen Ort fand, dessen Geschichte sie Jahre später, gemeinsam mit anderen Menschen erzählen wird. „Ich habe gespürt, dass dieser Ort einmal voller Leben gewesen sein muss. Dieser Eindruck hat mich nicht mehr losgelassen“, beschreibt Christel Lau ihre erste Begegnung mit der Domjüch. Zu diesem Zeitpunkt ist das denkmalgeschützte Gelände bereits privatisiert. Mit dessen Erwerb im Jahr 2009, nehmen Christel Lau und ihr Mann es in ihre Obhut und gründen im Oktober 2010 einen Verein, der sich mit Hingabe dem Erhalt der Domjüch widmet.

Was der Verein, der unter dem Vorsitz von Christel Lau mittlerweile 120 Mitglieder zählt, in den vergangenen 10 Jahren aufgebaut hat, ist beeindruckend: Mit Unterstützung von Firmen aus der Region, Verwaltung und Denkmalpflege, retteten die Vereinsmitglieder und engagierte Bürger*innen die Anlage zunächst vor dem endgültigen Verfall: Dächer wurden abgedichtet, das Gebäude stabilisiert, Wege angelegt, die Parkanlage wiederhergestellt. „Wir merkten jedoch bald, dass es hier um weit mehr geht. Mit der Sanierung und Wiedereröffnung der Kapelle, wurden wir alle zum Nachdenken gebracht. Denn die Menschen, die hier einst gelebt hatten, waren vergessen. An sie zu erinnern, ihre Namen zu nennen, ihnen ein Andenken zu schaffen, wurde ein weiteres Ziel unserer Vereinsarbeit.“

Dem handwerklichen Einsatz, folgte eine akribische historische Forschungsarbeit. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, wurden biographische Spuren von Ärzten, Pflegern und Patienten, Frauen und Männern, zusammengetragen, Lebenswege rekonstruiert und Anstaltsgeschichte aufgearbeitet: vom modernen PsychiatrieReformprojekt der Gründungsjahre, die zeitweilige Nutzung als Landeskinder- und Landessäuglingsheim in den 20er Jahren, über die zur Zeit des Nationalsozialismus hier durchgeführten Zwangssterilisationen und die Rolle der Domjüch als Gehilfe bei den Euthanasie-Morden bis hin zur Nutzung als Tuberkuloseklinik ab 1943 und später bis 1993 als sowjetische Militärkaserne. In einer Gedenkstätte mit verschiedenen Ausstellungen und Führungen – oft selbst von Christel Lau geführt - vermittelt der Verein heute die einzelnen Kapitel dieser Geschichte und macht die Domjüch zu einem Ort der Begegnung, Erinnerung und Auseinandersetzung.

„Doch wer in der Gegenwart die Vergangenheit für die Zukunft retten will, der muss auch Brücken schlagen“, betont Christel Lau immer wieder. „Zur Zeit ihrer Gründung war die Domjüch vielen Anstalten voraus. Patienten wurden hier nicht weggesperrt – weder durch Gitter noch Zäune. Vielmehr wurde schöpferisches Tätigsein gefördert: Handarbeit und Handwerk, Gartenarbeit, Landwirtschaft. Es wurde Theater gespielt, gekegelt, gerudert und Sport getrieben. Es gab Hochzeiten, Taufen, Erntedankfeste und Trauerfeiern. Es wurde viel gemalt. Von der Kreativität der Patienten zeugen noch heute große Wandbilder im Krankenhaus und die Ausstellung über Wilhelm Müller, der von 1907 bis 1918 auf Station Männer 1 lebte und 48-mal seinen Blick aus dem Anstaltsfenster auf den Dömjüchsee zeichnete.“

Diesem Grundgedanken, der die Vielfalt der Menschen und das schöpferische Potential jedes Einzelnen willkommen heißt und Raum für die Verwirklichung unterschiedlichster Ideen zur Belebung der Domjüch bietet, folgen Christel Lau und ihre Mitstreiter*innen auch heute. In Archiven recherchieren, Depressionen entgegenwirken, Musikfestivals begleiten, Kinderfeste gestalten, Blumenbeete pflegen, die sonntäglichen Rundgänge betreuen, sowie Kaffee und Kuchen runden das Angebot des Vereins ab – „jeder findet bei uns etwas, das ihm Spaß macht.“

„Christel Lau geht aktiv, progressiv und dabei immer verantwortungsbewusst mit dem Erbe der Domjüch um. Wichtig ist ihr in allen Begegnungen und jeglicher Auseinandersetzung mit diesem sehr besonderen Ort immer die menschliche Seite. Gegenseitige Achtung – sowohl vor den Menschen, die hier einst lebten, als auch unter jenen, die diese Stätte nun beleben oder auch nur besuchen - steht im Fokus ihres Engagements. Aktiv gestaltet der Verein Demokratie mit, fördert Toleranz und Vielfalt in unserer Stadt“, so Andreas Grund, Bürgermeister der Stadt Neustrelitz.

Portraitfotos Christel Lau

Ernennungsvideo Christel Lau