Ilona Bartels, Karstädt

2021
Organisation: 
Associata-Assistenzhunde e.V.
Engagement: 
engagiert sich für ... Erfahrungsräume und gegen Barrieren.
„Das Miteinander von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung muss etwas Selbstverständliches sein. Unsere Gesellschaft muss einen inklusiven Weg eines Miteinanders finden, wo jeder Mensch seinen Platz hat.“

Ein Leben mit Beeinträchtigung ist kein leichtes. Aber es gibt Menschen, die es schaffen, das Leben von Betroffenen wesentlich zu erleichtern und zu bereichern, indem sie gut zuhören, sich ihren Mitmenschen mit Empathie und Feingefühl widmen und aktiv werden, die initiativ sind und mit ihrem Engagement soziale Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung ermöglichen, die Inklusion nicht nur mitgestalten, sondern auch aktiv leben. Ilona Bartels ist so ein Mensch. „Das Miteinander von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung muss etwas Selbstverständliches sein. Unsere Gesellschaft muss einen inklusiven Weg eines Miteinanders finden, wo jeder Mensch seinen Platz hat.“

Die dreifache Mutter ist Gründungsmitglied im Verein „Associata-Assistenzhunde e.V.“ Der Vereinsname ist Programm: In Ableitung vom italienischen Wort „Associata“, folgt die stark sozial ausgerichtete Initiative dem Credo „Gemeinsam stark“. „Auf der einen Seite sind Hund und Mensch gemeinsam stark, auf der anderen Seite der Verein mit seinen Mitstreitern“, erklärt Ilona Bartels. Der Vereinsname verrät zudem, wofür sich der Verein gemeinsam stark macht: für Assistenzhunde bzw. für deren gleichberechtigte Anerkennung als tierische Assistenz und damit für ihre gesetzlich verankerte Anerkennung bei den Krankenkassen. Denn die Ausbildung von Assistenzhunden kostet neben viel Zeit und Geduld auch sehr viel Geld, welches Betroffene ohne finanzielle Unterstützung kaum leisten können.

„Assistenzhunde sind im Sozialwesen noch eine Nische und es ist derzeit wegen der fehlenden rechtlichen Grundlage sehr schwierig, dass Krankenversicherungen die Finanzierung übernehmen“, berichtet Ilona Bartels. Dass sich das ändert, dafür setzt sich der Verein seit Gründung ein, sucht in Seminaren, Workshops, Informations- und Kooperationsveranstaltungen den stetigen Austausch, leistet Beratungs- und Aufklärungsarbeit für Betroffene und die allgemeine Öffentlichkeit und verschafft sich Gehör bei Politikern auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.

In der steten Auseinandersetzung mit Interessierten, Multiplikatoren und Entscheidungsträgern stehen die Betroffenen bei Ilona Bartels klar im Mittelpunkt. Sie ist immer ganz nah am einzelnen Menschen dran, sieht und hört ganz genau hin.

Aus dem Wunsch heraus, einen zentralen Anlaufpunkt zu schaffen, einen Ort, an dem sich Menschen mit und ohne Beeinträchtigung ohne Vorurteile oder Berührungsängste zusammenfinden, sich austauschen und füreinander da sind, einander helfen und bereichern, suchte der Verein nach einem Objekt, das eine noch komplexere Inklusionsarbeit zulässt und fand 2018 in der Prignitz, im ländlich gelegenen Ort Sargleben den „Distelhof“.

Hier findet der Verein neben einem zweiten Vereinssitz vor allem eines: unzählige Möglichkeiten, um seinen Wirkungskreis zu vervielfachen und einen Erfahrungsraum zu schaffen, an dem jeder Mensch genau so sein kann, wie er ist – einen „Inklusionsraum für Begegnung und Kreativität, einen Ort ohne festgeschnürtes Korsett.“ Dabei nehmen Ilona Bartels und ihre Mitstreiter im Besonderen Menschen mit nichtsichtbaren Beeinträchtigungen wie Autismus, Diabetes Typ 1, Hörbehinderung, Posttraumatische Belastungsstörung in den Fokus.

Wir schaffen mit dem Distelhof einen Erfahrungsraum, in dem jeder seine individuellen Befähigungen – ganz ohne Druck und Leistungsziel erproben kann. Ganz nach eigenem Bauchgefühl und Bedürfnis“, berichtet Ilona Bartels. „Es ist ein Ort zum SEIN, in dem jede und jeder mit eigenen individuellen Befähigungen angenommen wird. Ein Ort, an dem Jede und Jeder seine Potentiale entdecken und stärken kann. Ein Leben mit Einschränkungen zu meistern, ist nicht einfach. Es ist toll zu sehen, wie die Menschen damit umgehen. Sie geben nicht auf, machen weiter und probieren ständig Neues. Anteil daran haben zu dürfen, ist für mich immer wieder eine kostbare Erfahrung.“

Im Rahmen von tiergestützten Angeboten mit Hund, Pferd oder offenen Werkstattangeboten rund ums Töpfern, Filzen, Basteln oder Malen, findet auf dem „Distelhof“ eine unbefangene Begegnung, der Freude am Tun statt. „Der Distelhof ist etwas, das noch am Entstehen ist und im Zusammenschluss mit anderen Vereinen wachsen soll“, gibt Ilona Bartels einen weisenden Blick in die Zukunft des Distelhofes. „Jeder kann und soll sich einbringen und mitgestalten.“

Portraitfotos Ilona Bartels