Elli Brusch, Gadebusch

2020
Organisation: 
Seniorenbeirat Gadebusch
Engagement: 
kümmert sich um die Belange von Senior*innen und wünscht sich mehr Wertschätzung für ehrenamtliches Engagement im Alltag
„Ich möchte mit dem Seniorenbeirat für und mit Seniorinnen etwas anschieben, etwas organisieren. Diese Menschen haben ihr Leben lang gearbeitet, sie haben Werte geschaffen und sie haben es verdient, dass man sich für ihre Belange einsetzt.“

Als in Gadebusch 2017 der von der Stadtvertretung gewählte, ausschließlich ehrenamtlich tätige Seniorenbeirat neu besetzt wurde, warb man um Elli Brusch, auch, wie sie erzählt, mit der Beschreibung einer „sehr übersichtlichen Tätigkeit. – Mir war natürlich völlig klar, dass ich vor einer wesentlich größeren Aufgabe stand.“ Gadebusch ist mit ca. 5.500 Einwohnern eine kleine Stadt in Nordwestmecklenburg. 30 Prozent der Menschen, die hier leben, sind im Rentenalter. „Wir müssen in Gadebusch über Veränderungen nachdenken: Wie schaffen wir für – und mit – Seniorinnen und Senioren bedarfsgerechte Möglichkeiten nicht nur für Teilhabe, sondern auch für eine aktive gesellschaftliche Mitgestaltung unserer Stadt?“

Die tatsächliche Größe der Aufgabe habe sie zu keiner Zeit abgeschreckt. Die ehemalige Förderschullehrerin und Schulpsychologin, die neben ihrem Ehrenamt als Vorsitzende des Seniorenbeirates mit Begeisterung Schneiderkurse an der Volkshochschule gibt, sagt über sich selbst, dass sie „vieles unter einen Hut bringe“, dass sie „dieses Viele auch brauche. Unterschiedliche Herausforderungen, Sinnvolles und Nützliches zu tun. Und wenn ich etwas anpacke, dann vernünftig. – Ich bin so, ein bisschen verrückt“.

„Ich möchte mit dem Seniorenbeirat für und mit Seniorinnen etwas anschieben, etwas organisieren. Diese Menschen haben ihr Leben lang gearbeitet, sie haben Werte geschaffen und sie haben es verdient, dass man sich für ihre Belange einsetzt.“

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, brauchte sie ein Team, „Leute, die ihre Spezialstrecke haben“ – schreiben, organisieren, vernetzen, umsichtig die Fäden zusammenhalten – und die, ebenso wie Elli Brusch selbst, „gewillt sind, sich zu engagieren: kluge Leute, die sich kümmern“. Sie fand acht Mitstreiter*innen, mit denen sie heute in Gadebusch Beachtliches auf die Beine stellt.

Einmal im Jahr lädt der Seniorenbeirat Vereine und Unternehmen – von der Feuerwehr über den Pflegestützpunkt bis zum Tangotanzverein – ein, sich beim Senioreninformationstag den Bürger*innen zu präsentieren. Zum Seniorentag im Frühjahr wird vor allem getanzt und gefeiert, „zum letzten kamen 150 Leute“. Gerade etabliert sich die Tradition, kurz vor den Herbstferien gemeinsam mit den Gadebuscher Schulen den Weltseniorentag mit Information, Unterhaltung und Tanz zu gestalten. Der Seniorenbeirat organisiert gemeinsame „Kaffeefahrten“ und schafft den organisatorischen Rahmen für eine Kreativgruppe, zu der sich Handarbeitsfans „zum Häkeln, Stricken, Nähen und Schnattern“ ein Mal wöchentlich treffen.

„Wir arbeiten parteipolitisch und konfessionell unabhängig, was für uns bedeutet, dass uns jeder, der uns in unserem Eintreten für Senioren- und Behindertengerechtigkeit unterstützt, ob im Stadtparlament oder in der Kirche, willkommen ist.“ Elli Brusch freut sich über die aktive Präsenz des Bürgermeisters bei den Veranstaltungen des Seniorenbeirates und erwähnt den „jungen Pastor, der für vieles offen ist.“ Das Adventssingen „in unserer traumhaft schönen Kirche“, mit Schmalzbroten und Glühwein im Gemeindehaus im Anschluss ist für viele Gadebuscher Senior*innen jedes Jahr ein Highlight, ebenso die mit allen Veranstaltungen des Seniorenrates obligatorisch verbundenen Kaffee-und-Kuchen-Tafeln. „Wichtig: Es muss unterhaltsam sein. Dann gehen die Leute beschwingt nach Hause. Das bedeutet für uns nachhaltig wirken.“

Derzeit verteilen die Mitglieder der Seniorenrates in Gadebusch einen „Seniorenwegweiser“, dessen Autor*innen sie auch sind. Sie haben Institutionen, Vereine, Einrichtungen in ihrer Stadt besucht, zu verschiedenen Themen, etwa barrierefreies Wohnen und Mobilität, Gesundheitsvorsorge oder soziale Beratung, recherchiert und einen Ratgeber verfasst, der sowohl Senior*innen als auch andere Bürger*innen informiert.

„Durch meine frühere Berufstätigkeit habe ich den Vorteil, dass ich viele Leute in Gadebusch kenne und daher schnell ins Gespräch komme. Das ist für mich tatsächlich ein Grundprinzip: Miteinander reden, persönlich, Angesicht zu Angesicht. Man muss bekannt sein oder aber sich bekannt machen, das bedeutet auf Menschen zugehen. Auf diese Weise erhalten wir für unsere Anliegen Unterstützung.“

Für ihre weitere ehrenamtliche Tätigkeit wünscht sich Elli Brusch, „dass das unschätzbar wertvolle Engagement im Kleinen – im Alltäglichen und Unmittelbaren – in Familien, Nachbarschaften, zwischen den Generationen stärker in den Fokus rückt und größere Wertschätzung erfährt.“