Dirk Thiele, Leipzig

2019
Organisation: 
Hilfsverein Nächstenliebe e.V.
Engagement: 
er macht sich mit und für Arme und Schwache stark
Mich interessiert, was die Anderen machen und ob wir vielleicht etwas zusammen auf die Beine stellen könnten. Mehr Miteinander ist mir wichtig. Gemeinsam kann man mehr bewegen.

Im Jahr 2006 gründeten Dirk Thiele und seine Mutter Johanna Thiele den ‘Hilfsverein Nächstenliebe e.V.‘ – ein Netzwerk für Arme und Schwache. Angefangen hatte alles 2002, erzählt Dirk Thiele: „In einem Kirchenblättchen hatten wir gelesen, dass für Kinder in albanischen Bergdörfern Schals gesucht würden. Wir fühlten uns berufen zu helfen und gaben eine Annonce in der Leipziger Volkszeitung auf, in der wir LeipzigerInnen zum Stricken einluden. 7000 Schals kamen damals bundesweit für einen Hilfstransport nach Albanien zusammen.“ Seither sammeln die Thieles Sachspenden – Kleidung, Spielsachen, auch Schultafeln waren schon dabei – und packen zweimal im Jahr gemeinsam mit freiwilligen Helfern Transporte nach Armenien, Tadschikistan, in die Ukraine.

Auch das gemeinsame Stricken ist im Begegnungszentrum des Vereins zur Tradition geworden. Jeden zweiten Freitag tanzen in den Räumlichkeiten unweit des Leipziger Hauptbahnhofs die Stricknadeln. Strickbegeisterte, aber auch Menschen, denen das Stricken weniger liegt, kommen zur gemeinsamen Handarbeit, zu Kaffee, Gebäck und Schwatz zusammen. Für einige von ihnen ist es der Weg aus der sozialen Isolation in die Gesellschaft. „Wir aktivieren Menschen, denen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, aus ihrer Einsamkeit herauszukommen“, so Dirk Thiele, „Manche bringen uns Wolle, andere stricken, nicht nur für unser Osteuropa-Projekt, auch für materiell Bedürftige.“ Warme Socken und Mützen verteilen die Thieles auch an obdachlose Menschen oder in der Bahnhofsmission. 

Ein Strick-Event der besonderen Art richtet Dirk Thiele jedes Jahr zum Wave-Gotik-Treffen aus – gemeinsam mit schwarzromantischen Festivalgästen wird dann in der Gerberstraße in Wohnzimmeratmosphäre „schwarz gestrickt“ und geplaudert. 

Dirk Thiele geht es nicht nur um das Spenden und Verschenken von Dingen. Wichtig ist ihm vor allem die Begegnung – von Mensch zu Mensch – das Einander-Kennenlernen. Befragt nach einem Erlebnis, das ihn besonders beeindruckt hat, erzählt er von einem jungen Mann, der den Thieles kürzlich beim Beladen eines Transporters half. „Nie hätten wir den auf der Straße angesprochen oder gar um Hilfe gebeten. Beim Kisten-Schleppen führten wir gute Gespräche.“

Schwere Lebenssituationen hat Dirk Thiele selbst erlebt: Entlassung, Arbeitslosigkeit, Krankheit - „Ich war ganz unten – nur durch verschiedene Chancen, die ich bekommen habe, konnte ich mich aus diesem Tief herausarbeiten. Und ich weiß, dass es vielen Menschen so geht“, beschreibt er die Beweggründe für sein ehrenamtliches Tun. „Auch Menschen, die hilfebedürftig sind, können für Andere da sein, helfen und dadurch stärker werden.“

Ein Projekt, das ihm sehr am Herzen liegt, ist die Zusammenführung von Lernpatenschaften: kostenfreie Schülernachhilfe für Kinder aus einkommensarmen Familien durch Studenten, Doktoranden, Menschen im Ruhestand. Darüber hinaus organisiert er Konzerte und Veranstaltungen und unterstützt Menschen, die sich in akuten Notsituationen an die Thieles wenden.

Dirk Thiele setzt auf Vernetzung. Immer auf der Suche nach Mitstreitern, Kooperationspartnern, Sponsoren wurde er 2013 Mitglied im ‚Verbundnetz der Wärme‘: „Mich interessiert, was die Anderen machen und ob wir vielleicht etwas zusammen auf die Beine stellen könnten. Unsere Vereinsräume stehen dafür zur Verfügung. Mehr Miteinander ist mir wichtig“, so formuliert er seine Vision von einem Verbundnetz. „Gemeinsam kann man mehr bewegen.“