Simone Pareigis, Halle/Saale

2018
Organisation: 
Selbsthilfegruppe für Leukämie- und Lymphompatienten Halle (S.)
Engagement: 
engagiert sich für Betroffene, die an Krebs erkrankt sind
Heute zähle ich als geheilt und lebe, liebe und lache, wenn auch teils mit massiven Spätfolgen. Mir ist es ein Bedürfnis zu helfen, egal ob in unserer Selbsthilfegruppe, bei Patienten- oder Ärzteveranstaltungen.

Der 5. Februar 2003 veränderte das Leben von Simone Pareigis entscheidend. An diesem Tag bricht für die damals 37-Jährige eine Welt zusammen. Sie erhält die niederschmetternde Diagnose „diffus großzelliges anaplastisches B-Zell-Lymphom; CS IV AE“ - Diagnose Lymphknotenkrebs. „Ich hatte nur ein Ziel – ich wollte überleben und fand zum Glück einen Arzt, dem ich vertraute und der mich motiviert hat, zu kämpfen und mich nicht aufzugeben“, erinnert sich die Hallenserin. Kraft und Lebensmut schöpfte sie außerdem im Halt durch ihre Familie. Um Antworten auf offene Fragen zu finden und in den Erfahrungsaustausch mit gleichermaßen Betroffenen zu treten, schloss sie sich sofort einer Selbsthilfegruppe (SHG) an. Noch im selben Monat wurde sie Mitglied in der SHG für Leukämie- u. Lymphompatienten Halle und übernahm im Oktober 2004 die Leitung der Gruppe. „Heute zähle ich als geheilt und lebe, liebe und lache, wenn auch teils mit massiven Spätfolgen. Mir ist es ein Bedürfnis zu helfen, egal ob in unserer Selbsthilfegruppe, bei Patienten- oder Ärzteveranstaltungen.“

Autodidakt hat Simone Pareigis im Januar 2007 eine Website für die SHG Halle erstellt und pflegt diese sowohl administrativ, als auch inhaltlich mit Text und Bild. Neben der Leitung der SHG Halle, die sich regelmäßig einmal im Monat trifft und aktuell 22 Mitglieder zählt, besucht sie verschiedenste Veranstaltungen bis hin zu Ärzte-Kongressen. Aktiv gestaltet sie diese oft durch eigene Vorträge mit – über die Grenzen von Halle hinaus. Deutschlandweit, international. So vertrat sie die SHG Halle erst kürzlich, im März 2018 bei einem internationalen Austausch für Patientenorganisationen in Athen. „Es ist immer bereichernd zu schauen: Wie machen es andere Länder und was davon können wir adaptieren?“, berichtet Simone Pareigis begeistert. Wenn sie selbst Vorträge hält, ist eines ganz wichtig: Sie referiert immer aus der Sicht des Patienten. Und immer nimmt die Ärzte-Patienten-Kommunikation einen ganz wesentlichen Teil im Vortrag ein. Diese zu verbessern ist ihr ein wichtiges Anliegen.

Simone Pareigis wird nie müde, neue Ideen und Projekte zu entwickeln. Immer mit dem Wunsch, dass alle etwas davon haben. Eines ihrer größten Projekte ist das Projekt „meineWEGA“ - die Etablierung einer webbasierten Gesundheitsakte, das die SHG Halle in Kooperation mit der Sachsen-Anhaltischen Krebsgesellschaft und der ITConsult Halle GmbH realisiert. Hier können alle Dokumente, wie Befunde, Anamnese, Entlassungsberichte eines Patienten, etc. zentral abgelegt werden. Jeder behandelnde Arzt, sofern vom Patienten berechtigt, hat somit schnell Zugriff auf alle wichtigen Daten . Der Arzt benötigt dazu lediglich einen PC und eine Internetverbindung. Das nächste Projekt – der Dreh eines Informationsfilms über das Wirken der SHG Halle ist schon geplant. „Mein Ziel ist es, mit dem leider noch immer weit verbreiteten Klischee aufzuräumen, Selbsthilfeigruppen seien nur Kaffeeklatsch“, erklärt Simone Pareigis und freut sich schon jetzt auf die Umsetzung.